BESUCH BEI DEN HEIMWEBERN

Auch dieses Jahr bin ich wieder zu einer Weberfamilie in der Türkei gefahren, welche noch in Heimarbeit Pestemals herstellt.

Sie haben mir mit Stolz ihre Werkstatt gezeigt. Ich wurde auch zum Essen eingeladen  und wir haben uns über die Weberei, die schwindende Tradition und die momentane Situation unterhalten.
Dabei haben wir Meinungen und Ideen ausgetauscht.

familie     aussicht

GENERATIONENWECHSEL?

Schon während meines letzten *  und des diesjährigen Besuches habe ich festgestellt, dass sich die junge Generation nicht mehr für die alte Webkunst interessiert und dass somit die Tradition innerhalb der Familie verloren geht. Die junge Generation will allgemein vom Handwerk weg und hin zum Studium, um zum Beispiel Lehrer oder Anwalt zu werden. Vermehrt werden industrielle Betriebe gegründet, welche das Weben automatisieren um hohe Stückzahlen schnell zu produzieren. Manche grössere Betriebe lassen auch noch in Heimarbeit Tücher herstellen, zu von ihnen diktierten Preisen, auf den traditionellen halbautomatischen Webstühlen oder auf den Handwebstühlen.

produktion pestemals     produktion pestemal

Die alten halbautomatischen Maschinen produzieren langsam, brauchen dauernd Aufsicht und der Faden muss von Hand gewechselt werden.

HANDWEBEREI

Einige ältere Weber stellen auf ihren mit Fusspedal gesteuerten Handwebstühlen noch Halstücher und Pestemals her. Ich habe auch noch einen 75 jährigen Weber in einem Atelier besucht, welcher seit 65 Jahren webt. Heute ist Kinderarbeit zum Glück verboten.

alter mann Handweber     Handwebstuhl

TREND

Der Trend zu automatischen Maschinen, welche schneller, präziser und effizienter arbeiten, lässt das alte Kunsthandwerk aussterben und sehr viel Wissen geht damit verloren. Ich werde die Familien unterstützen, damit die Tradition des Handwebens weiterlebt. Auch werde ich versuchen direkt bei diesen Handwerkern einzukaufen. Die bürokratischen Hürden hier und dort sind aber hoch.

EIN PAAR PERSÖNLICHE NOTIZEN

Die Begegnung mit der Familie war spannend und lehrreich. Sie zeigte auch die kulturellen Unterschiede.

Während meiner Reise dorthin habe ich  Ziegen, Schafe und Schildkröten an der Schnellstrasse gesehen. Die Leute haben mich komisch angeschaut als ich beim Zebrastreifen angehalten habe und zu guter Letzt habe ich feststellen müssen, dass die Schweiz hier bekannter für Schwarzgeld ist als für Schokolade, Käse und Uhren.

Reise zu den Webern

* Über die Produktion der Pestemals