EINE URALTE TRADITION

Während meiner Reise in Laos bin ich mit lokalen Weberinnen und ihrer uralten Tradition in Kontakt gekommen. Hierzulande herrscht in diesem Bereich Frauenpower, die Männer weben nicht. Das Wissen wird jeweils von der Grossmutter und Mutter an die Tochter weitergegeben.

Die Webkunst in Laos ist eine jahrtausend alte und sehr verbreitete Tradition. Die laotischen Stoffe wurden mit der Zeit immer beliebter. Ende des 20. Jahrhunderts waren sie so begehrt, dass die Leute anfingen neue billigere Materialien wie Nylon und Polyester zu verwenden, wie auch maschinell zu produzieren.

HEUTE

Seit 1998 gibt es einen laotischen Handwerksverband, der sich fest für die alte Tradition und deren Ruf einsetzt. Es werden wieder natürliche Textilien verwendet, wie auch auf Handarbeit gesetzt. So ist die laotische Webkunst und ihre Stoffe heutzutage weltweit berühmt für ihre filigrane Handwerksarbeit und ihre natürliche Färbung.

 

Ein weiterer Verband, welcher sich für die laotische Handwebkunst und vor allem die Weberinnen einsetzt, ist “OCK POP TOK”. Aus dem laotischen bedeutet dies Osten trifft Westen. Es ist eine Organisation, die sich seit 2000 für Fairtrade und Frauen einsetzt. Sie bietet ihnen eine faire Arbeitsmöglichkeit, hebt das Niveau der laotischen natürlichen Textilien an und macht diese weltweit bekannt.

Das Center hat Projekte in entlegenen Dörfern, um den Frauen dort wirtschaftliche Möglichkeiten zu schaffen. Sie werden unterstützt ihre Handwerksbereiche zu entwickeln und ihre Tradition mit künstlerischer Kreativität zu fördern.

 

REGIONALE MUSTER

In Laos, gibt es total 55 verschiedene ethnische Gruppen, welche ihre charakteristischen Webmuster und Webtechniken haben. Dazu kommt, dass auch je nach Dorf verschiedene Motive und Muster gewoben werden.

In früheren Zeiten, als die Kommunikation innherhalb des Landes noch nicht so gut war, konnte man einen Stoff genau einer Region zuordnen. Heutzutage wohnen die verschiedenen Ethnien durch die Migration und Umsiedlung an verschiednen Orten im Land.

 

Es werden lokal angebaute Baumwolle, Hanf und Seide verwendet.

Die Frauen weben oft lange im voraus an einem Kleidungsstück für einen speziellen Anlass. Die Stoffe erzählen Geschichten von ihrer Lebensart, Mythen und Legenden.

Heutzutage führen die verschiedenen Dörfer einmal jährlich einen Wettkampf durch, wer die schönsten Muster weben kann.

Ich persönlich war höchst beeindruckt von den wunderschönen gewobenen Stoffen.  Sie sind unglaublich kompliziert herzustellen.

 

IN DEN DÖRFERN

Um die Kulturhauptstadt Luang Prabang herum gibt es viele Dörfer, die berühmt für ihre Webkunst sind.

Ich durfte eines davon besuchen und mir ein Bild von der Weberei, den Menschen und ihren Webstühlen und Webutensilien machen.

Die Häuser sind aus Bambus gebaut und stehen auf Stelzen. Im unteren Bereich, der im Freien steht, arbeiten die Leute. Zum Beispiel weben sie dort und im eigentlichen Hausteil auf den Stelzen schlafen sie. 

 

WORKSHOP

Im Ock pop tok Handwerkscenter habe ich einen Workshop besucht um das Weben selber zu erleben.
Das Center hat vollbeschäftigte Weberinnen angestellt. Sie stellen wunderbare Stoffe her und leiten zum Teil auch Workshops, wie meine Betreuering Mrs. Jone. Ohne ihre profunden Kenntnisse hätte ich das Muster natürlich nie hinbekommen. Mal selber am Webstuhl zu sitzen hat mir sehr Spass gemacht und meine Wertschätzung für die handgemachten Stoffe ist noch grösser geworden.

 

DER LAOTISCHE WEBSTUHL

Das Muster des Stoffes wird im hinteren Teil des Webstuhls an den senkrecht eingespannten Fäden vorgegeben. Bei jedem Durchgang wird ein horizontal eingespannter Faden von unten nach oben versetzt.

Das Muster kann unabhängig vom jeweiligen Webstuhl transportiert und an einem anderen Stuhl eingesetzt werden.

Die Webstühle werden mit Bambuspedal bedient. Das Schiffchen wird von Hand hin und hergeschoben. Im Unterschied zu dem Handwebstuhl in der Türkei, wo es durch einen Handzug bedient wird.

 

Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass die Tradition der Webkunst in Laos so fest geehrt wird und es viele Bemühungen gibt, sie am Leben zu erhalten. In Luang Prabang habe ich ein paar Läden entdeckt, die sich sehr für fairen Handel einsetzen. Es wird genau deklariert, woher die Stoffe stammen und wer sie hergestellt hat.

 

UNSER PESTEMAL IN LAOS

Interessant war auch die Reaktion der Angestellten des Centers zu beobachten, als sie mein mitgebrachtes türkisches Pestemal gesehen haben. Sie haben es regelrecht bestaunt und fanden es sehr schön.

 

 

Video von einer Dorfbewohnerin, wie sie den Faden auf die Spule aufrollt.